LUEBECKhistory

Weblog zur Stadtgeschichte und Lokalhistorie der Hansestadt Lübeck

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In Lübeck begann die Revolution

November 3rd, 2008 · No Comments

Revolution nachgemacht; im Reanctment Am 5. November 1918 ging es im provinziellen Holstein rund. In Hamburg berichteten aufgeregte Reisende aus Lübeck, an der Trave “scheine die Revolution” ausgebrochen zu sein. Eine Nachricht, die von Hamburger Kaufleuten mit Sorge aufgenommen wurde, konnten sich die Hanestädte doch in der Vergangenheit zu gut es ging aus politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen heraushalten. Doch nun, unmittelbar nach der Niederlage des Ersten Weltkriegs, schien vieles möglich zu sein. Doch was geschah wirklich?
Matrosen aus Kiel und Travemünde versuchten, die Macht in Lübeck an sich zu reißen. Mit der Eisenbahn, zu Fuss oder “wie es auch ging” ströhmten die revolutionären Garden in die Hansestadt.

Innerhalb von wenigen Stunden wurde der Lübecker Hauptbahnhof, bis zu dieser Zeit fest in der Hand der “Lübeck-Büchener-Eisenbahn”, besetzt und alle durchfahrenden Züge bis auf weiteres angehalten. Reisende beklagten sich noch nach Monate, belästigt und nach Waffen durchsucht worden zu sein. wunderschöne Revolution Doch die Matrosen fanden keine Waffen und erlebten (bis auf wenige Ausnahmen) auch noch keine Gegenwehr - das Reich verschlief die Revolution fast, die die Herrschaft völlig unvorbereitet traf: Ende Oktober hatte die Marineleitung der seit Jahren in den Häfen liegenden Hochseeflotte den Befehl gegeben, zu einem letzten großen Einsatz gegen die britische Flotte auszulaufen, um “die Ehre der Waffengattung zu retten” - doch die Soldaten, die hier ihre eigene “Opferung” hervorsahen, weigerten und solidarisierten sich. Im größten Flottenstützpunkt Wilhelmshaven übernahm ein Matrosenrat die Macht, die Meuterei sprang auf die anderen Hafenstädte über und wurde zur Revolution. Schliesslich war der Krieg verloren, die Reichsregierung ersuchte die Aliierten um einen Waffenstillstand, die Monarchie war am Ende, der Kaiser bereitete sich auf sein Exil vor. Sein letztes Domizil im niederländischen Dorn musste jedoch noch gefunden werden. In dieser Zeit kühler Novembertage des Jahres 1918 endete die politische Herrschaft des kaisertreuen Bürgertums, auch in Lübeck. Kiel war mit dem Matrosenaufstand, der am 3. November ausbrach, eines der revolutionären Zentren.

Doch blieb die Revolution in Lübeck relativ ruhig und vor allem: friedlich. Anders in Hamburg. Dort gelang den Matrosen, die im Hamburger Hafen liegenden Torpedoboote in ihre Gewalt zu bringen. Der Elbtunnel, die Zollwache und das Gewerkschaftshaus am Besenbinderhof wurde besetzt.
Es kam zu Schiessereien, in Altona zu Massenproteste, nach denen acht Soldaten sowie zwei Zivilisten auf der Strasse starben.

In Lübeck verstanden es die Ratsherren, sich mit den Revolutionären zu arrangieren und fast sogar zu verbrüdern. Man gab bekannt, die Bürgerschaft “der neuen Zeit” zur Verfügung zu stellen. Am 11. November wurde schliesslich im Wald von Compiégne im Salonwagen des Marschall Foch der Friedensvertrag mit den Allierten unterzeichnet. Der Friedensschluß, der in diesem Eisenbahnwagen unterzeichnet wurde, musste dann bald jedoch von den meisten Deutschen als “Diktat” aufgefasst werden, in dem der Zündstoff für den kommenden Krieg verborgen lag. Die Revolution der meuternden Matrosen wurde dann später nur noch von vielen als Bestandteil einer “Dolchstosslegende” gesehen - an die kaiserliche Unterwürfigkeit dachte kaum noch jemand.

Immerhin hatte man den Revolutionären die ersten freien und demokratischen Wahlen des Landes zu verdanken.

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Tags: 1. Weltkrieg · Lübeck-Geschichte · Schleswig-Holstein

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